Samstag, 4. Oktober 2014

Aufregung und Aufregung

Wie ihr ja wisst, rege ich mich gerne auf. Und auch sehr viel. Ja, ich weiß auch, dass das besonders in letzter und in nächster Zeit noch schlechter ist, als sonst eh schon, aber vielleicht werde ich ja irgendwann gelassener... Vielleicht. Ich bin Waage... also...
Aber es gibt ja nicht nur die Aufregung, bei der ich dann für meinen Teil durch die Wohnung springe, wie ein Rumpelstilzchen mecker und fluche und damit meine Mitmenschen belustige (oder die Kiefer aufeinander presse und mir die Fingernägel in die Handflächen bohre, weil es in dem Moment äußerst unangebracht wäre, wie ein Schlange aus der Haut zu fahren und laut zu zischen), sondern es gibt ja auch die positive Aufregung. Die, bei der man Herzklopfen hat und feuchte Hände bekommt, bei der man unsicher lächelt, nervös am Armband dreht und an den Fingernägeln kaut (oder an der Haut außen rum, weil die Nägel durch den Lack einfach zu hart sind, um daran zu kauen). 
Beide Sorte haben ich diese Woche erlebt.
Die positive Aufregung gestern Abend. Es war Uraufführung und Spielzeiteröffnung unter der neuen Intendanz. Und obwohl ich eigentlich nichts mit der Sache am Hut hatte - ich hab keine Proben gesehen, ich hab nichts für die Presse vorbereitet - war ich nervös. Ich würde mal vermuten, dass das an der Stimmung im Haus lag - immer hin haben alle anderen seit Wochen nur auf diesen Tag hingearbeitet. Dementsprechend ist auch die Anspannung größer und größer geworden. Und ich glaube, sie ist erst von allen richtig abgefallen, als der Erste im Publikum das neue Stück mit Applaus gewürdigt hat. Jedenfalls war auch ich nervös, bin durch mein Zimmer gewuselt wie angestochen. Sitzt das Kleid, sitzt die Frisur, hab ich meine Karte usw. Und als ich dann halb acht auf dem Rang stand und in den recht vollen Zuschauerraum geblickt habe, war ich doch beeindruckt - von dem Haus, der Stimmung (man hat auch dem Publikum angemerkt, dass sie neugierig sind auf das Neue) und von dem Bühnenbild in giftgrün. In dem Moment habe ich mich ernsthaft gefragt, ob ich nicht Kopfschmerzen bekommen werde, wenn ich da den ganzen Abend drauf schauen muss. Aber ich hab keine Kopfschmerzen bekommen. Meine Nervosität ist schon von mir abgefallen, als der erste Schauspieler die Bühne betreten hat. Damit wurde ich ruhiger. Ein gewisser Rest blieb - ich wusste einfach wie viel Presse da war und wenn die Kritiken nicht so doll ausfallen, dann würde es schlechte Stimmung geben. (Die erste konnte ich schon lesen und sie war wirklich gut!)
Wie mir das Stück gefallen hat? Mh... schwer! Es hat den Nerv der Zeit getroffen, soviel steht fest. Aber es ist kein Stück, dass ich, wie Gut gegen Nordwind oder der Zauberlehrling auf dem Theaterkahn oder Romeo und Julia im Staatsschauspiel Dresden mit einem leuchten in den Augen weiter empfehlen würde. Ich bin schlicht weg kein Fan davon, wenn auf der Bühne zu viel gezeigt wird oder es zu sehr überspitzt wird. Ich muss keine ekstatisch tanzende Schauspielerin sehen, deren Bewegungen alles andere als natürlich sind. Und ich muss auch keinen Schauspieler auf der Bühne haben, der sich selbst befriedigt - auch wenn es nur gespielt ist. Vielleicht bin ich da sehr altmodisch, aber mir gefällt sowas einfach nicht. Ebenso wenig, wenn die Schauspieler nackt auf der Bühne stehen, oder ihr hautfarbenes Kostüm so durchnässt ist, dass sie auch gleich nackt hätten sein können. Leider ist das in der heutigen Zeit viel zu oft der Fall und desto mehr muss ich den Kopf schütteln, wenn sowas in der Presse als große Kunst hoch gelobt wird. Mit Nacktheit und permanenter Anspielung auf Sexualität wird die deutsche Theaterlandschaft auch nicht gerettet. Aber gut... genug der Theaterkritik.

Natürlich vergeht keine Woche in der ich mich nicht auch aufrege, im Sinne von Puls auf 180!
Das war diesen Donnerstag der Fall. Meine Vorgesetzte hat eine sehr eigenwillige Arbeitsweise. Bisher habe ich mich immer als chaotisch bezeichnet, mittlerweile wurde ich jedoch eines besseren belehrt. Ihr Arbeitsplatz ist ein wilder Haufen von Zetteln, Mails, Fotos, Programmheften und den Leporelloentwürfen. Ein Glück, dass sie für ihr Telefon eine Halterung mit ausziehbarem Arm hat, sonst könnte sie wahrscheinlich schon längst nicht mehr ans Telefon gehen, weil es schon begraben wäre von Zetteln. Ihr Drucker steht auf meinem Schreibtisch, auf den sie sich auch sonst sehr gerne ausbreitet, weil da viel Platz ist - klar, ist ja auch aufgeräumt. Jedenfalls schiebe ich täglich den Haufen wieder zurück auf ihren Schreibtisch, um mir meinen reichhaltigen Platz zum Arbeiten zu bewahren. So, wie ihr Schreibtisch aussieht ist auch ihre Arbeitsweise - alles gleichzeitig, alles huschhusch, schnellschnell. Dass Sachen fix gehen müssen, kenn ich ja (Ja Omilein, das hab ich bei dir sehr gut gelernt), aber meine Oma macht sie trotzdem gewissenhaft. Ob sie das auch macht... weiß ich nicht so recht, bei ihrer chaotischen Art schwer vorstellbar. Aber vielleicht sind manche "Künstler" einfach so. Jedenfalls hab ich mein System und meine Ordnung und meine Arbeitsabläufe, die meistens in To-Do-Listen wieder zu finden sind. Jedenfalls saß ich Donnerstag gerade konzentriert dabei einen meiner Tagesordnungspunkte abzuarbeiten, als mir meine Vorgesetzte in ihrer üblichen Art mitteilte, dass ich das unbedingt erledigen muss, am besten sofort und ganz schnell. Und der Chef will das auch haben, er muss ja wissen, was so passiert. Und achja, sie habe mal die Ordnung in dem und dem Ordner geändert, so würde SIE sich ja jetzt viel besser reinfinden! STOP!
Erstens - ich hasse es, wenn ich einfach so ohne Vorwarnung aus einer Aufgabe gerissen werde, die zudem nicht wenig Konzentration benötigt, indem ich von der Seite ja fast angebrüllt werde. Zweitens - in MEINEM Ordner, herrscht MEINE Ordnung! Und da ich damit arbeiten muss, möchte ich auch, dass meine Ordnung da bestehen bleibt und nicht einfach nach x-belieben abgeändert wird. Und drittens - die Sache, mit der ich mich SOFORT beschäftigen sollte, stand an dem Tag eh noch auf meiner To-Do-Liste. Und wie jeden Tag hätte der Chef darüber auch die nötigen Informationen erhalten. Also alles zu seiner Zeit und bitte mit System. MIT SYSTEM! Und nicht einfach schnellschnell, weil sie der Meinung ist, dass es jetzt gerade passieren muss. Diese Gedanken sind natürlich sehr... nett jetzt formuliert, da schon wieder ein paar Tage hinter mir liegen. Aber glaubt mir, das was in diesem Moment durch meinen Kopf geschwirrt ist, war nicht gerade freundlich. Abends am Telefon habe ich mich dann ordentlich ausgelassen, worauf mein Schatz nur meinte: "Du musst langsam sprechen. Ich versteh sonst nicht, worüber du dich aufregst!" Ich hab's versucht, aber habt ihr schon mal versucht, langsam zu sprechen, wenn ihr auf 180 seid und am liebsten wild stampfen würdet, sodass bei dem unter euch, der Leuchter wackelt, weil euch dieser Sch***drecksmistf***k*** einfach so so so sehr aufregt, dass ihr einen hochroten Kopf bekommt und euch nach der 10 bis 20minütigen Schimpforgie erstmal hinsetzen müsst, weil ihr völlig aus der Puste seid? Na dann! Willkommen in meiner Welt! Auf die nächste Schimpfattacke!

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