Eigentlich hatte ich gedacht: Wenn ich mein Studium beendet habe, dann hört der Papierkram endlich auf.
HA! Denkste!
In unserer modernen, digitalisierten Welt bin ich leider immer noch einen sehr großen Teil des Tages damit beschäftigt den gesamten Papierkram zu erledigen. Man könnte es tatsächlich fast Papierkrieg nennen.
Im Büro habe ich nicht nur ein Postfach voller E-Mails und ein Dokumenten-Managementsystem mit zig Dateien, nein auf meinem Schreibtisch, in den Schränken und auf meinem eigentlichen Besuchertisch stapeln sich Mappen, Hefter, Ordner und einfache Papierstapel. Meine Aufgaben finden sich in überfüllten Notizbüchern und mein Monitor ist umrahmt mit Post-Its.
Nun gut! Man könnte es natürlich auf meine Arbeitsweise schieben, aber ich denke nunmal gern mit einem Stift in der Hand, anstatt mit den Fingern auf der Tastatur. Und in der Regel hockt man ja nicht nur einsam und allein in seinem Büro, sondern sitzt in Meeting A und bespricht dort Sachverhalt x, während man in Runde B über die Themen y und z spricht. Ja, ich habe ein mobiles Endgerät zur Verfügung, aber mit meinen Kollegen arbeitet es sich zum größten Teil leichter, wenn sie ein Blatt Papier vor der Nase haben, anstatt ein Tablet-PC.
Soweit so gut - viel Papier auf Arbeit. Gut sortiert in Mappen, Heftern und Ordnern. Meine Ablage hat System (meistens zumindest!).
Nun hofft man, dass mit dem Feierabend somit auch der Papierkrieg ein Ende hat. Als ich fertig war mit dem Studium, hoffte ich, dass ich die Ordner, Blöcke und Stifte auf meinem Schreibtisch eintauschen kann gegen Nähmaschine, Schere, Pinsel und Leinwand. Aber auch hier:
HA! Denkste!
Stattdessen stapeln sich auch auf meinem heimischen Schreibtisch Mappen, Ordner, Briefe und überfüllte Notizbücher. Hier die Steuerunterlagen, dort die Versicherung, da die Unterlagen zur Wohnung, ein paar Rechnungen, der Ordner mit allem was das Auto betrifft und nicht zu vergessen die Ordner mit der dicken Aufschrift FINANZEN. Bei dem Anblick schüttelt es mich regelmäßig!
Die Menge, die sich auf unserem Schreibtisch türmt, geht sogar soweit, dass eine Freundin neulich zu mir meinte: "Auf eurem Schreibtisch sind Ornamente aufgedruckt?! Die habe ich ja noch nie gesehen!" ... Das ist bitter!
Und nun ist es ja so, dass ich im Büro 6,5h Zeit habe, diese Papierberge abzuarbeiten und wieder neu zu stapeln. Das einzige, was mir hier dazwischen kommen kann, ist die ein oder andere Kaffee-Runde, in der man die neusten Fakten austauschen muss.
Zuhause... wäre es schön, wenn einem mal eine Kaffeerunde dazwischen kommen würde! Stattdessen lauern neben dem betürmten Schreibtisch, ein Berg von gewaschener Wäsche, die gebügelt werden möchte oder einfach nur zusammengelegt, ein Haufen von Wäsche, welche gerne in die Waschmaschine möchte, eine aus- und wieder einzuräumende Spülmaschine, Staubmäuse und ein Staubsauger, der diese fressen möchte und... ach ja... meine zwei Jungs, wovon der Kleinere eher weniger zur Erfüllung der genannten Aufgaben beiträgt und sich stattdessen den Kakao über den Pulli schüttet, das Brot auf dem Boden zerbröselt und mich lauthals und sehr nachdrücklich dazu auffordert jetzt und sofort ein Bobo-Buch mit ihm anzuschauen. Und dann noch "Gute Nacht Gorilla" und das Dresden-Wimmelbuch und das Tier-Wimmelbuch und...
Und dann kommt der Moment des Tages, da schleichst du vorsichtig aus dem Zimmer deines selig schlafenden Sohnes, schließt leise die Tür und atmest tief durch.
Dann drehst du dich um, wirfst einen sehnsüchtigen Blick zur Couch und greifst nach dem Wäschekorb. Oder gehst zur Spülmaschine. Oder.... zum Papierberg.
Wobei... es ist ja kein Papierberg! Es ist ja nicht so, dass ich die Mittel, die ich schon im Büro erfolgreich einsetze, nicht auch zuhause nutze. Nur wird hier der Berg gefühlt nie kleiner. Er wandert nur. Aus dem Ordner "offene Rechnungen" und die Mappe "Abheften" (hier sollte vielleicht erwähnt sein, dass unser Schreibtisch im Wohnzimmer steht, die Ordner aber im darüber liegenden Schlafzimmer stehen...), aus der Mappe "To-Do" in die Mappe "Eilt", dazu noch eine Notiz im Notizbuch... wo fängt die Liste mit den offenen Punkten hier eigentlich an?
Nach einer Stunde: bedingungslose Kapitulation! Die wichtigsten Punkte sind erledigt, die Berge etwas verschoben - Zeit ihnen Gute Nacht zu sagen und sich zu verabschieden: Gute Nacht Papierberg, bis morgen Früh im Büro und morgen Abend... wieder zuhause.