Montag, 20. Februar 2017

Familienmanagement

Eigentlich hatte ich gedacht: Wenn ich mein Studium beendet habe, dann hört der Papierkram endlich auf.

HA! Denkste!

In unserer modernen, digitalisierten Welt bin ich leider immer noch einen sehr großen Teil des Tages damit beschäftigt den gesamten Papierkram zu erledigen. Man könnte es tatsächlich fast Papierkrieg nennen. 

Im Büro habe ich nicht nur ein Postfach voller E-Mails und ein Dokumenten-Managementsystem mit zig Dateien, nein auf meinem Schreibtisch, in den Schränken und auf meinem eigentlichen Besuchertisch stapeln sich Mappen, Hefter, Ordner und einfache Papierstapel. Meine Aufgaben finden sich in überfüllten Notizbüchern und mein Monitor ist umrahmt mit Post-Its.
Nun gut! Man könnte es natürlich auf meine Arbeitsweise schieben, aber ich denke nunmal gern mit einem Stift in der Hand, anstatt mit den Fingern auf der Tastatur. Und in der Regel hockt man ja nicht nur einsam und allein in seinem Büro, sondern sitzt in Meeting A und bespricht dort Sachverhalt x, während man in Runde B über die Themen y und z spricht. Ja, ich habe ein mobiles Endgerät zur Verfügung, aber mit meinen Kollegen arbeitet es sich zum größten Teil leichter, wenn sie ein Blatt Papier vor der Nase haben, anstatt ein Tablet-PC.
Soweit so gut - viel Papier auf Arbeit. Gut sortiert in Mappen, Heftern und Ordnern. Meine Ablage hat System (meistens zumindest!).

Nun hofft man, dass mit dem Feierabend somit auch der Papierkrieg ein Ende hat. Als ich fertig war mit dem Studium, hoffte ich, dass ich die Ordner, Blöcke und Stifte auf meinem Schreibtisch eintauschen kann gegen Nähmaschine, Schere, Pinsel und Leinwand. Aber auch hier:

HA! Denkste!

Stattdessen stapeln sich auch auf meinem heimischen Schreibtisch Mappen, Ordner, Briefe und überfüllte Notizbücher. Hier die Steuerunterlagen, dort die Versicherung, da die Unterlagen zur Wohnung, ein paar Rechnungen, der Ordner mit allem was das Auto betrifft und nicht zu vergessen die Ordner mit der dicken Aufschrift FINANZEN. Bei dem Anblick schüttelt es mich regelmäßig! 
Die Menge, die sich auf unserem Schreibtisch türmt, geht sogar soweit, dass eine Freundin neulich zu mir meinte: "Auf eurem Schreibtisch sind Ornamente aufgedruckt?! Die habe ich ja noch nie gesehen!" ... Das ist bitter!
Und nun ist es ja so, dass ich im Büro 6,5h Zeit habe, diese Papierberge abzuarbeiten und wieder neu zu stapeln. Das einzige, was mir hier dazwischen kommen kann, ist die ein oder andere Kaffee-Runde, in der man die neusten Fakten austauschen muss. 

Zuhause... wäre es schön, wenn einem mal eine Kaffeerunde dazwischen kommen würde! Stattdessen lauern neben dem betürmten Schreibtisch, ein Berg von gewaschener Wäsche, die gebügelt werden möchte oder einfach nur zusammengelegt, ein Haufen von Wäsche, welche gerne in die Waschmaschine möchte, eine aus- und wieder einzuräumende Spülmaschine, Staubmäuse und ein Staubsauger, der diese fressen möchte und... ach ja... meine zwei Jungs, wovon der Kleinere eher weniger zur Erfüllung der genannten Aufgaben beiträgt und sich stattdessen den Kakao über den Pulli schüttet, das Brot auf dem Boden zerbröselt und mich lauthals und sehr nachdrücklich dazu auffordert jetzt und sofort ein Bobo-Buch mit ihm anzuschauen. Und dann noch "Gute Nacht Gorilla" und das Dresden-Wimmelbuch und das Tier-Wimmelbuch und... 

Und dann kommt der Moment des Tages, da schleichst du vorsichtig aus dem Zimmer deines selig schlafenden Sohnes, schließt leise die Tür und atmest tief durch.
Dann drehst du dich um, wirfst einen sehnsüchtigen Blick zur Couch und greifst nach dem Wäschekorb. Oder gehst zur Spülmaschine. Oder.... zum Papierberg.
Wobei... es ist ja kein Papierberg! Es ist ja nicht so, dass ich die Mittel, die ich schon im Büro erfolgreich einsetze, nicht auch zuhause nutze. Nur wird hier der Berg gefühlt nie kleiner. Er wandert nur. Aus dem Ordner "offene Rechnungen" und die Mappe "Abheften" (hier sollte vielleicht erwähnt sein, dass unser Schreibtisch im Wohnzimmer steht, die Ordner aber im darüber liegenden Schlafzimmer stehen...), aus der Mappe "To-Do" in die Mappe "Eilt", dazu noch eine Notiz im Notizbuch... wo fängt die Liste mit den offenen Punkten hier eigentlich an? 
Nach einer Stunde: bedingungslose Kapitulation! Die wichtigsten Punkte sind erledigt, die Berge etwas verschoben - Zeit ihnen Gute Nacht zu sagen und sich zu verabschieden: Gute Nacht Papierberg, bis morgen Früh im Büro und morgen Abend... wieder zuhause.

Donnerstag, 9. Februar 2017

Herzlich Willkommen in meinem privaten Bereich

Da mein Liebster derzeit unser Auto für den Arbeitsweg benutzt und für mich Fahrradfahren erst ab 10°C und Sonnenschein überhaupt in Frage kommt, nutze ich derzeit die Straßenbahn, um auf Arbeit zu kommen.


Ich hasse es!

Natürlich. Es ist umweltschonend. 
Und ja, man erlebt auch etwas. 

Die Frage ist nur, ob ich das alles erleben möchte! Es ist ja so - ich bin ja nicht die einzige, die zur Arbeit fährt. Sondern da sind morgens unzählige pubertierende Schüler, die sich über Sachen Gedanken machen, dass ich mich manchmal ernsthaft Frage, ob ich damals auch so belanglose Probleme hatte (die schonungslose Antwort meine Mama war JA!). Und am Nachmittag wäre da die Mischung aus Rentnern, die sich an den heimischen Kaffee-Tisch bewegen müssen (und das schnellstmöglich! Da muss man sich auch mal in die Bahn drängeln! Die Bahn ist sonst weg und wenn man erst die nächste in 6 Minuten nimmt, dann ist zuhause der Kuchen weggelaufen!) und frühzeitigen Feierabend-Habenden wie ich.
Es ist also jedesmal ein kleiner Kampf einen Sitzplatz zu ergattern. Wenn man einen hat, dann sind das ja aber keine Einzelsitze, sondern zwei nebeneinander. Und schätzungsweise sind die Dresdner Verkehrsbetriebe bei der Bestellung ihrer Straßenbahnen davon ausgegangen, dass nur schmal-ärschige, zarte Frauen mit den Bahnen fahren, weswegen die Sitze auch extraschmal konzipiert wurden. Im Sommer mag das ja noch gehen, aber jetzt im Winter, in Zeiten, wo dicke Wintermäntel und Jacken manche Körper noch fülliger machen, als diese eh schon sind, ist es also an der Tagesordnung, dass man Oberschenkel an Oberschenkel gepresst in der Straßenbahn sitzt und die Ellenbogen fest in die Taille pressen muss, damit man den Sitznachbarn nicht auch noch mit den Oberarmen bekuschelt.

Nun ist es ja statistisch bewiesen, dass heutzutage die wenigsten Menschen ein normales Gewicht auf die Waage bringen. Aus diesem Grund kommt es auch immer häufiger vor, dass sich in der Bahn jemand neben einen setzt, dem dieser eine Sitz schon lange nicht mehr ausreicht. Dann sitzt man entweder auf 1/4-Sitz eingequetscht zwischen Bahnfenster und Sitznachbar oder fällt halb auf den Gang.
Gut! Lässt sich noch ertragen. Da ich in der Bahn eh immer lese (der einzige Vorteil des Bahnfahrens!) und ich zum Umblättern nur meine Hände brauche, bleibe ich eben eingequetscht sitzen. Das ist im Winter zumindest schön warm und man friert nicht. Man muss die Dinge ja positiv sehen, nicht wahr? Im Sommer... gut. Finde ich das dann nicht mehr ganz so lecker, aber da sind die meisten Menschen dann eh so leicht bekleidet, dass ich Bahnfahren aufgrund des erhöhten, ungewollten Körperkontaktes nur noch widerlich finde. Aber gut. Bleiben wir im Winter.

Gut, wie gesagt. Eingequetscht sitzen ist kein großes Problem. Hauptsache sitzen! Im Stehen liest es sich nicht gut, das habe ich schon ausprobiert. Vor allem nicht, wenn die Bahn eine Vollbremsung machen muss, weil irgendsoein Fußgänger-Spacko das ROT bei der Bahn-Fußgängerampel ignoriert hat.

Nun habe ich aber irgendwie immer das Glück, dass die Menschen, die sich neben mich in der Bahn auf den Sitz quetschen und mich auf die letzten 20cm des Sitzes verbannen, nicht nur ebendiese Eigenschaft an den Tag legen, sondern dazu auch noch stinken! Barbarisch stinken! Und es ist egal welcher Wochentag! Ok, je mehr sich das Wochenende nähert, desto schlimmer wird es, aber die Leute neben mir stinken auch Montagfrüh schon! So sitze ich also in der Bahn. Eingequetscht zwischen Fenster und Sitznachbar. Nach dem ersten Atemzug, den derjenige oder diejenige neben mir sitzt, muss ich mich also nicht nur damit abfinden, dass sich jemand, meist recht unsanft, in meinen privaten Bereich begeben hab, sondern muss im gleichen Moment auch noch mit Tränen in den Augen und einer ordentlichen Portion Magensäure in meinem Hals kämpfen. Der Versuch wegzurücken - zwecklos.
Mittlerweile habe ich auch für solche Momente ein Gegenmittel (nein, ich sprühe die Leute nicht mit Parfüm an. Erstens ist das unhöflich und zweitens könnte die Kombi aus Moder und Parfüm noch unerträglicher werden): ich stecke die Nase in meinen Schal. Der riecht in der Regel entweder nach Weichspüler oder nach meinem eigenen Parfüm. Also - gerettet. Der Roman kann weitergehen!

Damit aber noch nicht genug! Die Leute, die sich dazu entscheiden, dass man mit mir einen ganz passablen Sitznachbarn wählt (neben Menschen, die in Dresden "anders" aussehen, setzt man sich nicht. Willkommen in F***ing-Pegida-City!), sind meistens ALT! Und alte Menschen haben diese gewisse Art zu schnaufen. Dampflock wäre noch ein Kompliment. Habt ihr schonmal neben einem alten, kahlen Mann gesessen, der sich unsanft neben euch plumpsen lässt, dann durch den Mund schnauft, sodass ihr fast ins Buch kotzen müsst? Willkommen in meinem privaten Bereich.

Gut! Auch damit lernt man umzugehen. Ist das Buch gut genug, habe ich das Schnaufen nach wenigen Minuten vergessen, die Nase im Tuch und die Gedanken wieder im Buch. So kann die Bahnfahrt weitergehen. Die Restlichen 17 Minuten (von 20)... 

Nein, damit immer noch nicht genug. Denn nun gibt es auch noch die Exemplare, die nicht einfach nur schnaufen, sondern mit in mein Buch schnaufen! Weil sie mitlesen! Und sich ja dazu auch immer weiter an mich rankommen, damit sie auch lesen können, was da steht! Vielleicht wollen sie herausfinden, was ich lese? (Ich versehe meine Bücher mit Umschlägen. Zum einen um sie zu schonen und zum anderen, weil nicht jeder gleich sehen muss, dass ich den neuen Roman von Stephenie Meyer lese!) Ich weiß es nicht! Auch das Buch leicht wegdrehen hilft nichts. Die kommen einfach noch näher. Klaaaar 10cm von dem Sitz reichen mir auch! Oder wollen Sie gleich auf meinen Schoß?
Anschauen und den "Sie rücken mir heute aber auf die Pelle"-Blick (freundlich, aber mit diesem Hauch von "Lass das!") aufsetzen, hilft nicht. Dann schauen sie dich nur verdutzt an und sobald du wieder in dein Buch schaust, tun sie es auch.

In diesen Minuten frage ich mich meistens, warum ich mir das eigentlich antue. Nehme mir vor, am nächsten Tag meinen Liebsten mit den Öffentlichen fahren zu lassen (er muss auch noch Bus fahren - noch schlimmer!) und selbst das Auto zu nehmen, um am nächsten Morgen doch wieder zur Bahn zu sprinten, mit dem Buch unter dem Arm und einer Dosis Parfüm im Tuch. Wenn ich das Buch durch hab, fahre ich mit dem Rad! 


Vielleicht...




Sonntag, 29. Januar 2017

Nein, Mama! Dududu!!!

Der letzte Eintrag liegt lange zurück... sehr lange. Asche auf mein Haupt.
Dabei gibt es mittlerweile jeden Tag was zu erzählen. Jeden Tag neue Geschichten, die mich erstaunen, zum Lachen bringen oder mich aufregen. Ich hoffe, dass ich wieder öfter berichten kann. Ich nehme es mir nun jeden Falls fest vor ;-)

Die besten Geschichten hält mein Sohn für mich bereit. Mit seinen zwei Jahren steht er nun schon voll in seinem eignen Leben, weiß ganz genau was er will und auch was er nicht will.
Er will Banane und Kekse. Immer und viel.
Er will "Gute Nacht, Gorilla" anschauen. 10 mal täglich. Mindestens. Und mir dabei die Maus-Nane und den Gokogong zeigen. (Eine Maus, die eine Banane hinter sich her zieht und den Luftballon, der in jedem Bild des Buches versteckt ist.) Dazu jauchzt und lacht er immer herzlich. "Ohhhh, Mama. Da! Gokogong!" Jedesmal! Egal, wie oft wir das Buch in den letzten fünf Minuten angesehen haben.
Er will Bobo Siebenschläfer. In allen Variationen. Als Buch, Hörspiel, Filmchen, Plüschtier... Von den Hörspielen haben wir sechs CDs, von denen jede eine Stunde geht... Ich brauche sie im Auto eigentlich nicht mehr einlegen... Ich kann dem Kobold auch so JEDE Geschichte wortgenau erzählen. Aber das ist nicht das gleiche.... NEEEEEIINNNNN. Mein Kobold braucht die dezent nervige Titelmelodie, um sie mitzusingen. Und er braucht die leicht grenzdebile Erzählerin, die in ihrer monotonen Stimme von Bobo und seiner Mutter erzählt, die ALLES durchgehen lässt. ALLES! Bobo verteilt im Supermarkt die Organgen im ganzen Laden und was sagt die Mama: "Oh! Bobo!" Hä? Oh! Bobo? Das ist alles?
Und am Ende ist Bobo immer eingeschlafen. IMMER. Das Kind soll zwei sein. Also wenn mein Sohn nach dem Bauen eines Turmes, dem kurzen Hüpfen auf dem Bett (er darf auf dem Bett hüpfen!!!!) und dem Anschauen eines Buches oder am Ende eines Kinderarztbesuches einschlafen würde, dann würde ich mir Sorgen machen, Fieber messen, mich fragen, ob alles ok sei. Nein, Mama Siebenschläfer lächelt nur....
Aber. Der Kobold liebt Bobo. Also ertrage ich stumm, die Fingernägel im Lenkrad vergraben die Erziehungsmethoden von Mama Siebenschläfer.

Und wie gesagt, der Kobold sagt auch sehr deutlich was er nicht will.
Auf dem Wickeltisch liegen zum Beispiel. Die Umrandung versperrt ihm nämlich die Sicht zum Fenster und wenn er nicht zum Fenster schauen kann, dann sieht er ja keine Busse... Und wehe es kommt kein Bus! "Mama, Bus? Bus, Mama!!!" Meist erkläre ich ihm dann, dass die Busse müde sind und schlafen. Und meist fährt genau dann ein Bus vorbei und der Kobold sieht mich mit diesem "Ja, ja, Mama. Ich bin nicht blöd"-Blick an. Ja, den kann er. Und er ist erst zwei...

Neulich haben ich ihn abends ins Bett gebracht. Abendessen, baden, Schlafanzug anziehen, Zähne putzen, eincremen - alles wie immer. Alles mit ein bisschen Theater, alles mit ein bisschen Geschimpfe von ihm, aber wie immer.
Dann kuschelt er sich in der Regel in sein kleines Bett, wir lesen noch eine Geschichte und dann singe ich ihm sein Gute-Nacht-Lied. So wollte ich es auch an diesem Abend machen und fing an die erste Zeile zu singen, worauf Felix lauthals "Nein! Mama!" rief. Etwas irritiert hielt ich kurz inne und setzte dann erneut an, woraufhin der Kobold wieder protestierte: "Nein, Mama! Nicht singen! Dududu!!!" und drohte mir mit erhobenen Zeigefinger. Ich schaute meinen Sohn etwas verdattert an und fragte, ob ich kein Schlaflied singen solle, was er verneinte. "Gefällt es dir nicht, wenn Mama singt?"
Und was sagt mein Sohn, ganz kleinlaut?

Genau!

"Nein!"


Samstag, 14. November 2015

Was ist nur los mit der Welt?

Wir saßen heute morgen ganz gemütlich am Frühstückstisch. Wir drei. Eine glückliche Familie, die gerade (mal wieder) einen Umzug plant. Ich hab auf Facebook nur geschrieben, dass wir noch ein bisschen Hilfe brauchen und dann sehe ich, dass ein Freund von uns geschrieben hat, dass er bei den Pariser Terroranschlägen in Sicherheit war.
WAS?
Ich las meinem Schatz betreten die kurze Meldung vor und wir schalteten sofort den Fernseher an. Die Bilder und die Zahlen der Toten nahmen uns die Sprache. Schon wieder Anschläge. Schon wieder Paris. Charlie Hebdo ist doch gerade einmal 10 Monate her! 
Vorhin  habe ich dann noch ein paar Nachrichten im Netz gelesen. Die Menschen standen vor Cafés und wurden einfach nieder geschossen...
Ich finde diese Vorstellung furchtbar! Du stehst womöglich mit deinen engsten und besten Freunden vor deiner Lieblingsbar oder Café und feierst gerade... was auch immer! Dass ihr euren Masterabschluss habt, dass sich deine beste Freundin verlobt hat... oder einfach nur, dass mal wieder eine stressige Arbeitswoche, in welcher der neue Chef echt wieder ein Arsch war, vorbei ist. Und dann stehst du endlich in der Runde, mit den Menschen, die dir was bedeuten und urplötzlich werden sie niedergeschossen.
Was geht da in den Menschen vor? In denen, die schießen? In denen, die ihre Lieben verlieren? 
Was ist, wenn da eine Familie den Papa oder die Mama verliert, weil er oder sie sich mal wieder einen schönen Abend gemacht hat? Wollen diese Attentäter bewusst solche schmerzlichen Wunden reißen? Oder ballern sie einfach drauf los, geblendet von irgendeiner extremistischen Ideologie ohne Sinn und Verstand? 
Wenn ich hier so sitze, kann ich nur den Kopf schütteln. Mir fehlen die Worte. Ich weiß auch nicht so recht, was ich da noch schreiben soll. Dieser Blog war eigentlich mal dazu gedacht, dass ich mich über die kleinen Dinge des Lebens auslasse, aber warum sich über... die Krümel auf der Arbeitsplatte aufregen, wenn es in der Welt doch schlimmeres gibt?

#prayforparis
#jesuisparis

Montag, 7. September 2015

Rest in Peace Ailan!

Ich stand bei McCafé an der Kasse und bezahlte den Espresso von meinem Mann, als ich das schreckliche Bild zum ersten Mal sah. Die Bild lag auf dem Tresen und da war es groß auf der Titelseite: Das Flüchtlingskind Ailan tot am Strand. Ich bekam Gänsehaut, einen fetten Kloß im Hals und irgendwie war mir der Appetit auf den BigMac vergangen. Gestern Abend nach dem Tatort haben wir noch ein bisschen rumgezappt, sind bei Harry Potter hängen geblieben. Im Anschluss kam Spiegel-TV mit dem Thema "Flüchtlinge" und wieder das Bild von Ailan. Auf manchen Bildern konnte man sogar sein kleines, zartes Gesicht sehen... Und da war sie wieder, die fette Gänsehaut, der Kloß im Hals, begleitet von einer Übelkeit, die einem den Atem geraubt hat. Wahrscheinlich gehen mir solche Bilder noch näher seitdem ich selbst Mutter bin. Seitdem ich weiß, wie abgöttisch man sein Kind liebt und dass man alles für ihn tun würde, damit sein Leben für ihn bestmöglich verläuft. Wenn die Bilder eines toten fremden Kindes schon so viel Kummer bei mir auslösen, dann will ich noch weniger wissen, wie es ist sein eigenes Kind zu verlieren. Von Ailans Familie ist nur sein Papa übrig geblieben. Der Mann hat alles verloren, was ihm lieb und teuer ist - seine Kinder und seine Frau. Die seelischen Schmerzen müssen unerträglich für ihn sein. Ob man nach sowas je wieder richtig glücklich wird? 
Und dann surft man so durchs Internet. Wäre das einem deutschen Kind passiert - das Netz wäre voll mit Beileidsbekundungen. Alle würden mittrauern und dem Vater ihr Beileid aussprechen. Und was findet man über Ailan? Worte der Freude, Hassparolen gegen die Flüchtlinge. "Wir trauern nicht, sondern feiern es. Nur ein Flüchtling, ein Flüchtling ist zu wenig [...]" (Welt.de). WIE BITTE??? 
Wo ist die Menschlichkeit geblieben? Wo kommt dieser Rassismus her? Hat denn niemand aus dem 20. Jahrhundert etwas gelernt? Das sind Menschen, es ist ein Kind! Sie sind auf der Flucht vor Krieg, Hass und Gewalt! Und was ist unser Begrüßungsgeschenk an sie? Hass und Gewalt?! Die Menschen sind wochenlang unterwegs, sie geben in ihrer Heimat alles auf, nehmen ihr letztes Geld in der Hoffnung auf ein besseres Leben und werden dann so begrüßt, wie z.B. in Heidenau?! Wo leben wir denn bitte? Wollt ihr jetzt etwa auch den kleinen Mann mit dem schmalen Schnurrbart zurück, damit er das "Problem" für euch löst? 
Was ist mit den Menschen, die in der Nazi-Zeit vor dem Regime geflüchtet sind? Meint ihr ernsthaft, die wurden so behandelt? Oder mit den Menschen, die aus dem Osten flüchten mussten, als der Krieg vorbei war? Die haben das gleiche durchgemacht und wahrscheinlich sind es jetzt auch gerade die, die so hetzen. So hassen. So dumm sind! Ja, wirklich! Ich nenne das dumm! Das sind hirnverbrannte Menschen, die so sprechen! Oder was ist mit denen die aus der DDR geflohen sind? Meint ihr, deren Unterkünfte wurden auch angezündet? Wurden sie auf ihrem Weg auch mit Steinen beworfen? 
Wo bleibt euer Einfühlungsvermögen? Diese Menschen fühlen sich in ihrer Heimat so bedroht, dass sie sie verlassen! Aber das kann sich so jemand der gegen sie hetzt natürlich nicht vorstellen. Er hat ja solche Probleme nicht! Er sitzt abends friedlich auf der Couch vor seinem Fernseher, vielleicht mit einem guten Glas Wein in der Hand und einer Packung Schokolade auf dem Ranzen und schaut die Tagesschau. "Oh nein, da kommen tausende gut ausgebildete Menschen, die nicht unsere Sprache sprechen (dies aber wollen, aber es leider nicht können, weil es viel zu wenig Deutschlehrer für sie gibt, die bezahlt werden können und die freiwilligen, die das machen, sind leider zu wenig!)! Das wollen wir aber nicht!" Und warum? Damit Deutschland bevölkerungstechnisch schrumpft, weil zu wenig Kinder geboren werden? Selbst die Flüchtlingsströme können diesen Trend nicht stoppen, aber verlangsamen! Also... WARUM? Achja... damit die deutsche Kultur nicht untergeht. Stimmt.... SPINNT IHR? Kultur ist nichts festes, starres, sondern was dynamisches. Kultur lebt vom Austausch, damit sie sich weiter entwickeln kann. Aber neeeeeein! Der Deutsche setzt sich lieber hin und bewahrt und pflegt alles. Nur keine Veränderung. Schön beim Alten bleiben. Sich dynamisch weiterentwickeln? Auf Innovationen setzen? Bloß nicht! Dann könnte das Alte ja verloren gehen! In die Zukunft denken  - igitt! 
Nein, dann beharren wir lieber auf dem Alten und stopfen die Menschen, die kommen, in viel zu kleine Unterkünfte und lassen sie da drin versauern, anstatt ihnen die Chance zu geben, ein neues Leben anzufangen, sich zu integrieren und unsere Gesellschaft weiter zu entwickeln, sie bunter und vielfältiger zu machen. Neeeeein, das wollen wir nicht. Pfui! Wollt ihr dann lieber wieder alle blond und blauäugig sein? Das war wesentlich vielfältiger... stimmt...

Samstag, 25. Juli 2015

Ein bisschen mehr Rücksicht bitte!!!

Mein Schatz und ich haben einen Deal. Immer derjenige der Lern- bzw. Masterarbeitszeit hat, hat das Anrecht auf Ruhe. Dazu haben wir unsere getrennten Arbeitszimmer in eines verlegt (gleichzeitig arbeiten wir dank dem Mini eh nicht mehr), sodass das Wohnzimmer jetzt kein Wohn- und Arbeitszimmer mehr ist, sondern das Wohn- und Mini-Zimmer. Soweit so gut. Damit man aber noch mehr Ruhe hat zum Arbeiten, geht der jeweils andere dann immer mit dem Kleinen raus. Mein Schatz macht dann meistens die Einkäufe oder fährt zum Baumarkt, ich bevorzuge dabei immer einen Spaziergang zum fußläufig schnell erreichbaren IKEA bzw. Shoppingcenter (bei Rossmann, Müller und Co. gibt es immer etwas das man besorgen muss: Pre-Milch, Babywasser, Brei, Windeln...). So auch heute. Also habe ich nach dem Mittag meinen Zwerg in den Kinderwagen gepackt in der Hoffnung eines bald einsetzenden Mittagsschlafes und bin los gestiefelt. Nun sollte ich noch dazu sagen, dass der Weg über freies Feld führt und es heute hier sehr, sehr, SEHR windig ist. Ich habe also die 20 Minuten Fußmarsch damit verbracht abwechselnd das Sonnensegel vor dem Wegfliegen zu bewahren (nein, abnehmen konnte ich es nicht, weil die Sonne ja trotzdem geschienen hat - mitten in den Kinderwagen!) und dem Mini den Schnuller wieder in den Mund zu stecken (ich könnte ja jetzt behaupten der Wind hat ihn raus geweht, aber nein... mein Sohn fand es einfach lustig, das Schnuller-raus-Schnuller-rein-Spiel zu spielen, sodass Mama alle 10m stehen bleiben muss, um ihn dem quengelnden Sohn wieder in den Mund zu stecken...). Zudem kam noch, dass ich mit meinem Röckchen, den Bio-Latschen und dem Neck-Holder-Top etwas zu leicht bekleidet war, weshalb ich relativ bald eine schicke Erpelpelle hatte. Ihr könnt euch also vorstellen, wie breit mein Lächeln war, als ich endlich am Einkaufszentrum angekommen bin. Beim Betreten meinte dann auch noch so eine aufgetakelte, olle Schrapnelle mit viel zu viel rotem Lippenstift in ihrem faltigen Gesicht, dass sie mit ihren roten High-Heels (sorry, aber mit Mitte Sechszig ist man einfach zu alt für High-Heels! Das sieht nicht mehr schön aus.... erst recht nicht, wenn die Haut so lange gebräunt wurde, bis sie aussieht wie eine Rosine....) vor mir durch die Tür drängelte und dann den halben Weg im Schneckentempo vor mir her stöckelte. Überholen war leider nicht drin, denn ich hatte vergessen, dass Samstag ist und deswegen das Einkaufszentrum voll. Richtig voll! Mega voll! 
An dieser Stelle sollte ich noch erwähnen, dass ich mir während der Schwangerschaft immer geschworen habe, dass ich niemals so eine Drängel-Mama werden möchte, die ohne Rücksicht auf Verluste ihren Kinderwagen durch die Straßen, Geschäfte oder sonst wohin schiebt und dabei ein Dutzend Hacken mitnimmt, mehrere Zehen überfährt und unzählige blaue Flecken an Hüften verursacht. Wollte ich nie sein! Seit heute weiß ich - man muss fast so sein. Denn wenn man mit Kinderwagen versucht Rücksicht auf andere zu nehmen, dann ist man - Entschuldigung für die Ausdrucksweise - echt die Gearschte!!! 
Mein erstes Ziel am heutigen Tage war das Schuhgeschäft mit dem grünen D, denn ich bin auf der Suche nach Sicherheitsschuhen für das nächste Wochenende. Geschäfte sind übrigens grundsätzlich nicht dafür gemacht, dass man da mit einem Kinderwagen reinfahren kann. KEINES! NIRGENDWO!!! Ich hab mich trotzdem ganz vorsichtig und rücksichtsvoll durch die engen Gänge geschoben, auf der Suche nach weißen Ballerinas. Ich entdeckte welche, stellte den Kinderwagen ganz am Rand ab, damit man in dem Gang trotzdem noch Platz hatte um durch zu gehen und es dauerte keine Minute (ich hatte noch nicht mal die richtige Größe des Objektes meiner Begierde aus dem Regal gezogen), da kam schon so eine Trulla und schimpfte, warum denn hier so ein blöder Kinderwagen rumstehe. Ja, was soll ich denn machen??? Ihn weg zaubern? Ihn vor dem Laden stehen lassen??? Ich ignorierte die Tante, zog die Schuhe aus dem Regal und probierte. Passte eigentlich ganz gut, aber irgendwie trafen sie nicht so ganz meinen Geschmack... zu viel Klimbims dran. Eigentlich wollte ich ja ganz schlichte weiße Schuhe, aber die gab es leider nur noch in Größe 40. Ich war gerade dabei die Schuhe wieder ordentlich im Karton zu verstauen, als die nächste Frau kam: "Darf ich hier mal ran? Können Sie das Ding mal beiseite fahren???" Die Menschen haben wirklich Glück, dass meine Mama mich zu Zurückhaltung erzogen hat, sonst hätte ich der heute wahrscheinlich mal ordentlich die Meinung gegeigt!!! Ich beschloss also den Laden wieder zu verlassen, aber keine Chance. Die Leute ohne Kinderwagen schaffen es tatsächlich sich noch blöder Mitten in den Gang zu stellen als Mamas mit Kinderwagen. Und wenn man dann ganz freundlich fragt, ob man denn mal vorbei dürfe... Dann kann ich nur von Glück reden, dass Blick nicht töten können, sonst hätte der Mini keine Mama mehr! Im nächsten Laden drängelte sich dann noch so ein junger, arroganter Mann an der Kasse vor, warf mir einen abschätzigen Blick zu und bezahlte in aller Seelenruhe seine Coke. Wahrscheinlich hat er sich gedacht, naja... bis die Mutti ihr Zeug auf dem Band hat, bin ich dreimal aus dem Laden raus. Warste aber nicht, A****l****!!!! Gebummelt haste! Ewig gebraucht  um deinen Sch***Kassenzettel zu verstauen! Blödmann! 
Ich glaube, die Mamas, die ohne Rücksicht auf Verluste durch Einkaufszentren fahren, haben durch solche Situationen eine ebenso gesteigerte Aggression, wie ich gerade. Keine Entschuldigung, aber durchaus verständlich! Deswegen wäre es doch einfach schön, wenn alle ein bisschen Rücksicht nehmen. Die Mamas mit ihren Kinderwägen und die Leute ohne. Dann wären wir nämlich alle ein bisschen entspannter ;)

Bin ich jetzt alt?

Wir waren heute beim Poetry Slam. Alle drei! Mit unseren Freunden. Es war ein Open Air Slam, wo wir auf Picknickdecken den Poeten lauschen konnten. Unseren Mini hatte ich mir im Tragetuch vor den Bauch gebunden, musste aber vor dem Getränkestand immer auf und ab gehen, weil sich unser Zwerg zum einen beim Applaus immer erschrocken hat und zum anderen mag er es nicht so, wenn er im Tragetuch hängt und ich mich nicht bewege. Jedenfalls kamen die Moderatoren des Slams auch immer mal wieder an mir und dem jüngsten Zuhörer des Abends vorbei, um sich was zu trinken zu holen (was bei der Hitze ja auch sehr löblich ist). Am Ende des Abends ließen sie drei Jutebeutel rumgehen, die das Publikum füllen sollte - als Preis für den Sieger. Sie sagten, man könne alles rein legen, was man möchte. Was man halt gerade so bei sich hat. Eine Dame(!) hätte ja z.B ein Neugeborenes dabei...
Mal ganz abgesehen davon, dass der Mini mittlerweile kein Neugeborenes mehr ist (das sind Babys nur die ersten 3 Wochen ihres Lebens), die Dame mit dem Neugeborenen??? Dame???
DAME??? D-A-M-E???????
Sehe ich, nur weil ich ein Kind hab, jetzt etwa aus wie Mitte dreißig und muss als Dame bezeichnet werden? Tut mir Leid, aber das Wort Dame ist für mich der Inbegriff von alt sein! Da finde ich olle Schrapnell oder Mutti noch netter, aber Dame? Ich hab noch nicht mal die Mitte Zwanzig erreicht und werde als Endfünfzigerin betitelt! Ich hab mich schon schlecht gefühlt, als ich neulich auf dem Bürgeramt meinen neuen Perso beantragt habe und ein Foto von 2012 abgeben wollte und die gute Frau mir gesagt hat, das nehme sie nicht an. Sie würde doch sehen, dass das Foto nicht aktuell sei - immer hin habe ich ja jetzt viel mehr Falten... HALLO? Ich bin 24!!! Das sind keine Falten, sondern Zeugnisse meines freudigen Lebens, dass sich an den miniwinzigkleinen Hautvertiefungen um meine Augen zeigt! Aber doch keine Falten! Die bekommt man erst mit 30 und ich habe beschlossen keine 30 zu werden, sondern 29, dann 29a, dann 29b usw. So kann ich immer hin 26 Jahre überbrücken! 
Ob ich Angst vorm alt werden hab?


...
Um es mit einem Zitat aus meiner Lieblingsserie zu sagen: Schon ein kleines Bisschen!

Ich weiß nicht warum! Vielleicht weil es dann irgendwann nicht mehr so gut ausschaut, wenn man in Shorts und Spaghettiträgertop raus geht. Oder ein Tanktop und diese lässigen Stoffhosen mit wilden Mustern und Gummizug dann irgendwie nicht mehr so straßentauglich sind. Vielleicht, weil die Cremes dann immer teurer werden und sich an bestimmten Stellen des Oberkörpers noch mehr dir ein Schwerkraft zeigt, als sie das nach vier Monaten stillen eh schon tut. Oder weil Zwanzig einfach tausend Mal lässiger klingt als 30... Oder 40... 
Ich weiß es nicht. Jedenfalls habe ich keine Lust darauf mit altklingenden Worten betitelt zu werden, nur weil ich Mama bin! Ich will doch eine coole Mama sein. Ich möchte meinen Sohn irgendwann mal von der Schule abholen und es soll sagen können: Da ist meine Mama! So mit Stolz, weil sie noch lässig und jung ist. Aber das Wort Dame klingt so nach: "Uahh! Meine Mutter holt mich schon wieder ab! Voll peinlich!" o.O Ganz schreckliche Vorstellung!!! Hoffentlich bekomm ich davon jetzt nicht Albträume, denn ich sollte jetzt vielleicht schlafen, damit meine winzigen Hautvertiefungen nicht etwa noch "markant" werden o.O