Mittwoch, 19. November 2014

Dummheit schwimmt oben...

Nachdem ich nun so langsam wieder in den Uni-Tritt gekommen bin und wenigstens ein bisschen meinen Rhythmus gefunden habe, habe ich auch wieder angefangen ein bisschen mehr Bewegung in mein immer runder werdendes Leben zu bringen. Am besten dafür geeignet soll ja bekanntlich schwimmen sein. Also habe ich mich letzten Dienstag zum ersten Mal in meinen Badeanzug geworfen (jaaaaa, er passt noch :D) und mich auf den Weg in das Uni-eigene Schwimmbad gemacht. Dort angekommen hat mich der Schwimmmeister erstmal darauf hingewiesen, dass "a Bademützepflischt" (Bademützen? Das heißt Badekappen! Diese Schwaben...) besteht und dass man erstmal für "a fünferle de Badepasch erwerbe muss." Nachdem ich ihm mit meinem charmantesten Lächeln mitgeteilt hatte, dass ich weder das eine noch das andere dabei hatte, gab er mir eine Leihbadekappe und ließ mich auch ohne Badepass ins Wasser - "aber nägschte Woch' s Geld mitbringe, gell?" Natürlich! 
Gestern machte ich mich also wieder auf dem Weg, diesmal mit meiner eigenen Badekappe und fünf Euro im Gepäck, woraufhin ich meinen "Badepasch" überreicht bekam - "aber immo schö vorzeige, gell?" Natürlich! In der Umkleide schlüpfte ich schnell aus meinen Klamotten in meinen Badeanzug und ab in das angenehm temperierte Wasser. Es war zwar etwas voller als in der Woche davor, aber man nimmt ja Rücksicht aufeinander und so konnte ich in aller Ruhe meine ersten 15 Bahnen ziehen. Man muss dazu sagen, dass dort wirklich alle sportlich schwimmen. Alle sind mit Badeanzügen oder engen Badehosen (in denen schwimmt es sich besser, als in den weiten, geblümten Sommerbadehosen) ausgestattet und niemand schwimmt senkrecht im Wasser oder quatscht. 
Wie gesagt, das ging die ersten 15 Bahnen so... Als dann drei "Männer" in buntgeblümten Badeshorts aus den Kabinen traten, die sich erstmal lauthals darüber lustig machten, wie dämlich man doch mit der Badekappe aussieht (kein Wunder, sie hatten sie... keine Ahnung so merkwürdig aufgesetzt, dass sie wirklich dämlich damit aussahen - die Haare über dem Nacken schauten noch raus, aber immerhin waren die Augenbrauen vor dem Wasser geschützt...), hätte ich bereits wissen müssen, was mir blüht. Natürlich drängten sie sich auf die Bahn von mir und meiner Mitschwimmerin und begannen hintereinander (senkrecht schwimmend!) eine Bahn zu ziehen. Ok - amüsant zum Anschauen, ein bisschen drumrum schwimmen muss man auch, aber eigentlich kein größerer Störfaktor. Dachte ich! Denn nach zwei Bahnen schienen die Herren schon so kaputt zu sein, dass sie sich im Nichtschwimmerbereich des Beckens verteilt auf zwei Bahnen niederließen und ... quatschten! Aber nicht nur so mal für ein zwei Minuten, um kurz wieder zu Atem zu kommen oder die Badekappen vernünftig aufzusetzen - nein! Sie hockten dort eine geschlagene halbe Stunde und blockierten vier Schwimmern den "Wendepunkt" auf den Bahnen. Auf das freundliche Bitten meiner Mitschwimmerin hin ein bisschen mehr Platz zum Wenden zu lassen oder mein bissiges Kommentar, dass sie sich Mutties normalerweise ins Café setzen zum Quatschen, kamen nur dumme Sprüche und sie stellten sich uns nur noch mehr in den Weg. Hoffnungslose Fälle auf ganzer Linie. Hin und wieder zogen sie noch ein, zwei Bähnchen - natürlich schön so verteilt, dass man rechts und links nicht an ihnen vorbeikam und selbst drunter durch tauchen wäre nicht möglich gewesen - wie gesagt, ihre Schwimmkünste reichten gerade einmal für senkrechtes Rudern im Wasser um vorwärts zu kommen. Arschbomben vom Startblock waren natürlich inklusive. Ich dachte wirklich, dass es nicht mehr schlimmer kommen könnte, aber solche Typen übertreffen sich in ihrer Blödheit ja meistens nochmal selbst. Als ich schon mehr als genervt war und in ihrer Nähe nochmal extra mit den Beinen austrat (vielleicht trifft man ja "aus Versehen" empfindliche Stellen), fingen sie ernsthaft an, ihre Badekappen  wie Wasserbomben mit Wasser zu füllen und sie sich über den ganzen Nichtschwimmerbereich hinweg gegenseitig ins Gesichts zu werfen... Und spätestens, als sie damit in der Umkleide so lange weitermachten und laut grölten, bis selbst ich aus dem Wasser stieg, war mir klar: Dummheit schwimmt oben und geht nicht unter. Vielleicht existiert deswegen so viel davon...

Sonntag, 2. November 2014

Wenn alles einfach nervt...

Kennt ihr das, wenn einfach nichts passt oder alles irgendwie stresst und nervt? 
Ich hab grad drei solche Tage hinter mir! Ja, drei! Es ging Donnerstag schon los. Diese Woche stand ein Blockseminar auf dem Plan, das heißt ich musste auf meine schöne Zwei-Tages-Uni-Woche verzichten und ganze vier Tage in die Uni gehen! Ein Luxusproblem, ich weiß... An sich ist das ja auch ok, wenn das Blockseminar spannend ist und man was mit nimmt. Diese Woche ging es Donnerstag UND Freitag um Museumsbetriebe. Ich hab das Fach belegt, um das Modul endlich abzuschließen und weil ich dachte, ich hör mir mal was anderes an, als immer nur Theater - man weiß ja nie wo es hingeht... Nach diesen zwei Tagen bin ich mir sicher: AUF KEINEN FALL INS MUSEUM! Das Seminar ging beide Tage von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr und ich habe NICHTS gelernt! Der Professor hat es geschafft in 16 Stunden, in denen er erzählt hat, einfach nichts zu erzählen. Er hat einfach nur gelabert und sich regelmäßig in irgendwelchen stinklangweiligen Anekdoten aus dem letzten Jahrtausend verloren. Ok... Zwischendrin hat er uns Kulturmanager noch als doof bezeichnet, weil wir eh nix richtig können und Betriebswirtschaft in Kulturbetrieben funktioniert eh nicht. Wie bitte??? Warum bitte sitzt du Vollhonk dann vor 30 angehenden KulturmanagerInnen??? Geh doch wieder zurück in dein Museum und sammle und bewahre deine  verstaubten Ansichten weiter! Aber bitte vermittle sie nicht - das ist nämlich der letzte Schwachsinn! Und genau wegen solchen Horsts, die irgendwo in der Kulturpolitik sitzen und Entscheidungen treffen, geht nichts voran und die Kulturlandschaft dümpelt weiter in die Krise! Mal lernen das Geld effizient einzusetzen? Neeeeein! Lasst uns lieber weiter jammern, dass die Museen keinen Anschaffungsetat mehr haben, um sich die Depots der zig Heimatmuseen mit noch mehr Kram voll zu stellen für den sich in 100 Jahren eh keiner mehr interessiert. Und nein! Die Töpfe und Schüsseln aus der Küche meiner Uroma halte ich nicht für historisch wertvoll! Die brauch man also auch nicht sammeln und bewahren und man muss auch nicht nachforschen, welcher Töpfer das hergestellt hat - das muss ich nicht wissen und ich glaube auch nicht, dass es meine Enkel irgendwann interessieren wird! Die Lagerkosten dafür können wir also sparen und in gut ausgebildetes Personal investieren! 

Ihr könnt euch vorstellen, wie froh ich war, als ich abends auf der Couch lag und den Halloweenabend mit Gummibärchen und Sherlock Holmes verbringen durfte.
Der Tag heute startete dann auch wirklich vielversprechend! Mein Schatz hat beim Kinderwagenkauf ein echtes Schnäppchen gemacht und die Einrichtung unserer Babyecke nimmt Konturen an. Doch dann kam die Nachricht von einer Freundin: Nachtflohmarkt in Stuttgart! 
In der großen Hoffnung auf weitere Schnäppchen, sagte ich also zu und das Elend nahm seinen Lauf. Im Spiegel meines Kleiderschrankes betrachtete ich mich in einem meiner Lieblingspullis, in dem ich mich mit dem derzeit stetig zunehmenden Bauchumfang sofort fühlte, wie eine Tonne. Oder ein großer Ballon, der nur darauf wartet zu platzen! Und das jetzt schon! Ich hab ja noch gut drei Monate vor mir!!! Meine Laune war erstmal runter, was auch ein Hanuta nicht unbedingt bessern konnte.
In Stuttgart angekommen, ärgerte mich das nächste Problem - die BH- Bügel fingen an zu reiben... Alle Frauen, die das schon mal erlebt haben, wissen wie sch*** unangenehm das ist! Für alle Männer - stellt euch einen Metallbügel unterm Sack vor, der sich bei jedem Schritt ein bisschen mehr in die Haut schubbert - das wollt ihr nicht!!!
Wenn ihr jetzt denkt: "Ach, auf dem Flohmarkt hat sie bestimmt was schönes gefunden, was die Laune wieder gehoben hat!" 
Nein! 
Dieser Flohmarkt bestand quasi nur auf Frauenklamotten, bei denen ich mich zum Teil fragen musste, ob es den Mädels hinter dem Stand nicht zu peinlich ist, diese Dinger überhaupt noch zu verkaufen. Und wenn Frauen Schnäppchen ahnen, dann werden selbst die zartesten kleinen Wesen zu echten Kampfmonstern. Da wird geschoben und gedrängelt und geschubst! Du stehtst gerade mal an einem Stand und schaust dir die süßen Ohrringe mit Blümchenmuster an? Ein shoppingsüchtiges Kampfweib entdeckt direkt daneben ein Objekt ihrer Begierde und schiebt dich einfach ohne Rücksicht auf Verluste zwei Meter zur Seite. Reichlich genervt, machten mein Schatz und ich uns nach einer halben Stunde auf den Weg zu den Essständen in froher Erwartung einer Bratwurst! Nix da! Es gab nur "Hippifraß", wie mein Schatz so schön sagt. Falaffel und Salat und Bio-Irgendwas. Bei der Frage, nach einer genauen Erklärung zu einem Getränk namens "Holunder" bekam ich die Antwort: "Irgendein Holunder-Malz-Gebräu. Und noch dazu ohne Alkohol!" Guuuut... Also dann doch Cola.
In der Innenstadt taten wir uns dann auch noch die Eröffnung einer neuen Hipster-Shopping-Mall inkl. Performance-Künstler an. Und... Ich studier zwar "was mit Kultur", aber ohne Mist... Der Typ hatte einen weißen Anzug an, hat sich dann mit Panzertape umwickelt, sich doppelseitiges Klebeband auf die Knie und die Brust geklebt und sich dann in dieses rote Pflanzengranulat gelegt, dessen Tüte er vorher pink angesprüht hat... Dann hat er es stundenlang durchs Publikum in Richtung Ausgang gekehrt... Ich bitte euch! Das ist doch keine Kunst? Oder was soll das? Dafür reicht auch mein Kunstverständnis leider nicht aus, aber wenn mir das jemand erklären kann - immer her damit! Für mich war es einfach eine sinnlose Aktion und die Frage von meinem Kumpel: "Ist das Kunst oder kann das weg?" konnte ich ihm eindeutig mit: "Das kann weg!!!" beantworten. 
Und dann sahen die da alle gleich aus! Dürre Männer mit Vollbärten in roten oder gelben Skinnyjeans, die dünne Gerippchenfrauen in Leggings und mit viel zu rotem Lippenstift hinter sich herzogen - natürlich immer das hippe Smartphone am Ohr oder in der Hand, weshalb sie einem beim Whats-App-Nachricht tippen übersehen und einen fast umrennen. Naja... Wenigstens wird man so trotz Tonnenumfang noch übersehen! Und nach so einem Tag freue ich mich gleich doppelt, in meiner normalen Wohnung aus Ikeamöbeln (und keinen zusammengestückelten aufgepimpten Vintagemöbeln) in mein normales Bett zu gehen und mich zu meinem normalgebauten und normaledenkenden Freund ohne kratzendem Busch im Gesicht zu kuscheln und ihn zu küssen ohne mir an einem Rauschebart die ungeschminkten Lippen aufzureißen! Und morgen werde ich Hosen waschen und mich darüber freuen, dass man bei uns noch erkennt, was Männerhose und was Frauenjeans ist! 
Na dann! Gute Nacht!