Gruppenarbeiten sind im Studium immer wieder gefordert - in Referaten, Ausarbeitungen und manchmal ganzen Hausarbeiten. Damit soll die Teamfähigkeit gestärkt werden. Und ich muss leider sagen - ich bin kein großer Fan von Gruppenarbeiten. Ich habe bisher irgendwie noch keine erlebt, die so abgelaufen ist, dass ich sagen kann: Hey! So macht Teamarbeit Spaß!
Zumindest noch keine Gruppenarbeit von Anfang bis Ende.... Der Entspannungstee mit dem Himbeerhonig kam immer irgendwann zum Einsatz. (Aber meistens erst nachdem ich wie ein Rumpelstilzchen durch die Wohnung gehüpft bin.) Ich bekomme dann immer gesagt: Das ist die Vorbereitung auf das Berufsleben. Aber jetzt mal ganz ehrlich - wenn das Berufsleben SO abläuft, dann kaufe ich mir demnächst im Teeladen die ganze Kiste Entspannungstee und werde jeden Tag drei Thermoskannen davon mitnehmen! Irgendwas ist immer - entweder besteht die Gruppe aus fünf Personen und drei davon sind solche Dickköpfe und die anderen beiden so diskussionsfreudig, dass jedes noch so kleine Detail bis zum letzten Pups ausdiskutiert wird, sodass man nach 2-stündiger Diskussion mit Kopfschmerzen nach Hause geht - aber ohne Ergebnisse - und meistens ist dann dabei irgendwas wichtiges nicht richtig kommuniziert wurde, sodass man eine Woche später, wenn man eigentlich über eventuelle Resultate sprechen möchte, wieder anfängt zu diskutieren, weil irgendwas nicht richtig gelaufen ist und es natürlich keiner gewesen sein will. Oder aber es entsteht einfach schlechte Stimmung in der Gruppe, die sich so hochschaukelt, dass es in einem heftigen Knatsch endet und im Anschluss keiner mehr miteinander spricht (hatte ich so Gott sei Dank noch nie, durfte es aber schon mal bei einer anderen Gruppe beobachten, was wiederum auch sehr amüsant ist, weil man sich dann nämlich denkt: Sprecht doch einfach vernünftig miteinander! Aber spätestens, wenn man dann wieder selber in der Gruppe sitzt und diskutiert, weiß man - nein, manchmal geht das nicht).
Oder aber man sitzt in der Gruppe und hat drei graue Mäuse um sich sitzen. Auch geil! "Wollen wir das so und so machen?" Und als Antwort bekommst du leere Gesichter und ein schüchternes "Ich weiß nicht..." Du sitzt also da, strampelst dir mit Ideen und Vorschlägen einen ab und mimst den Alleinunterhalter - so viel zum Thema TEAM!
Am besten ist am Ende immer der Satz: "Aber ich hatte das so verstanden..." Man geht mit verteilten Aufgaben aus einer Gruppendiskussion. Mit verteilten Aufgaben für das ... Referat und macht sich an die Arbeit. Und dann... eine Stunde vor dem Referat stellt man fest - geil, eine/r aus der Gruppe hat exakt das selbe ausgearbeitet, wie du selbst und sein Teil fehlt nun komplett. Antwort: Ich dachte, ich soll das machen?! Deswegen bin ich ein großer Fan von Protokollen, da muss keiner denken, sondern kann nachlesen!
Schön sind auch Gruppenarbeiten in denen es zum Beispiel um die Ausarbeitung zu einem Text geht. Dann gibt es entweder den Fall, dass alle beteiligten ihren Teil am unwichtigsten fanden und deswegen jeder nur 3 Minuten Referat vorbereitet hat (was richtig toll ist, wenn man z.B. zu fünft eine Vorlesung von 90 Minuten füllen soll...) oder aber einer oder mehrere finden ALLES am Text extrem wichtig und wollen ALLES unterbringen (das wiederum ist meistens dann der Fall, wenn man zu fünft nur 15 Minuten hat und jeder allein schon 12 Minuten Vortrag ausgearbeitet hat...). Ich gebe zu ich gehöre manchmal zu beiden Sorten. Oder bilde eine dritte "Gruppe" - nämlich, die die in ihrem Primärtext nix verstehen und sich deswegen soviel Sekundärliteratur reinziehen, dass sie damit den Primärtext über drei Stunden erklären könnten. In Literaturwissenschaft mag das gehen, aber auch nur, wenn man viele Zeit hat und nicht nur ein Impulsreferat halten soll. Dann ist man aber auch wieder von der Gruppenarbeit genervt, weil man alles gelesene so spannend findet, dass man am liebsten alles erklären möchte - aber da stehen ja noch ein paar Leute mit vorne und wollen in den 10 gegeben Minuten auch noch was sagen, also muss man sein mühsam zusammengesuchtes Wissen wieder eindampfen und muss sich auf ein paar Erkenntnisse beschränken... um dann am besten in der Diskussion vor einem Kurs zu stehen, wo man mit leeren Gesichtern angeschaut wird oder aber die Hälfte in anderen Sachen vertieft ist, wo wir wieder bei dem Alleinunterhalter wären...
Und dann wird einem im Vorstellungsgespräch die Frage gestellt, ob man teamfähig sei? Und wenn man das alles vorher erlebt und überstanden hat ohne dauerhaft Bluthochdruck zu bekommen, sondern im Endeffekt immer lächelnd vor dem Kurs stand oder die Arbeit erfolgreich abgegeben hat, dann darf man da doch ruhigen Gewissens "ja" sagen oder? (Und sich den Nachsatz: "Aber ich verfluche Gruppenarbeiten" denken ;))
PS: Überträgt sich das eigentlich? Das "Rumpelstilzchen-Gen"? Wenn ja, na dann Gute Nacht! Wenn Mama schimpfend durch die Wohnung hüpft und der Papa auch öfters mal ein paar Flüche durch die zusammengebissenen Zähne schiebt und das Kind das auch bekommt.... Dann können wir bald ein Fernsehteam bei uns in Haus bestellen: "Willkommen bei den Rumpelstilzchens!" :D