Donnerstag, 26. März 2015

Warum?

Warum? Diese Frage stellt sich wahrscheinlich gerade ganz Europa... 

Als ich vorgestern in den Nachrichten gesehen habe, dass eine Germanwings-Maschine abgestürzt ist, war ich echt schockiert. Letztes Jahr in etwa um diese Zeit bin ich selbst in eine gestiegen und nach Krakau geflogen. Im August von Dresden nach Stuttgart... Mein Liebster ist während unserer Praktika öfter mal zu mir geflogen... Als wir die Bilder gesehen haben, hat er zu mir gesagt: "Stell dir mal vor, du stehst da am Flughafen und wartest. Und dann wird gemeldet, dass das Flugzeug wahrscheinlich abgestürzt ist..." Ich kann mir das nicht vorstellen. Ich will es auch gar nicht. Zu schrecklich ist der Gedanke. Zu weh tut er jetzt schon.
Gestern hat mein Liebster festgestellt, dass jemand an Bord war, den er aus seinem letzten Praktikum kannte. Er hat es bei Facebook gelesen und hielt es aber erst für einen Fake, einen schlechten Scherz. Ich glaube, dass ist bei jedem das erste, was einem in den Kopf kommt. Dass es nicht sein KANN. Dass sich jemand geirrt hat. Dass es nicht sein DARF! Ich glaube, die Gewissheit lähmt dann. Ich weiß nicht, ob man das sofort realisiert... Ich versuche mir vorzustellen, wie es den Eltern von den 16 Schülern ging. Du stehst da am Flughafen und wartest voller Freude auf dein Kind. Auf seine strahlenden Augen, wenn es dir von seinen Erlebnissen in Spanien erzählt. Darauf, dass es dir seine Fotos zeigt. Du bist wahrscheinlich gespannt, wie es sich damit verändert hat... 
Oder was ist, wenn ihr vorher Stress hattet? Du und dein Kind. Oder du und dein Mann. 
Und dann stehst du am Flughafen und wartest, aber da wird niemand kommen. Niemals! Oder man erfährt am Telefon, dass man niemals die Chance haben wird, sich zu versöhnen. Sich für die harten Worte zu entschuldigen. Man niemals das Leuchten der Erinnerung in den Augen sehen wird. Ich glaub das lähmt. Schockstarre. Ich glaube, dann bekommt man nichts mehr um sich herum mit. Dann ist dein Kopf einfach leer.
Heute kam die Meldung, dass der Copilot den Absturz absichtlich eingeleitet hat. Dass er sich umgebracht hat und 149 Menschen mitgenommen hat. Kein "Trost", dass die Technik versagt hat und die Piloten alles versucht haben, um die Menschen an Bord zu retten. Nein. Er hat nicht versucht sie zu retten. Er hat sie absichtlich mit in den Tod gerissen. 
Da quillt Wut in mir hoch. Egoist wäre in diesem Fall fast noch ein Kompliment! Irgendwas in seinem Leben ist schief gelaufen. Ok! Er wollte so nicht weiter machen. Vor mir aus! Aber warum sucht er sich dann keine Hilfe? Warum macht er es, auch wenn das jetzt hart klingt, nicht allein? Warum muss er 149 Menschen mit umbringen? Warum muss er Familien zerstören? Warum muss er Menschen die Menschen nehmen, die sie lieben? Warum muss er so viele Leben kaputt machen? Er hat ja nicht "nur" die 149 Menschen mit in den Tod gerissen, sondern auch noch unzählige weitere Leben auf den Kopf gestellt. Zerstört. Völlig aus den Fugen gerissen. Aber... warum? Niemand wird darauf je eine Antwort bekommen. Weder wir, die die Ereignisse schockiert, entsetzt und traurig mit verfolgen, noch die Angehörigen, die ihre Liebsten verloren haben. Ich glaube, dieses "Warum?" werden sie ihr ganzes Leben mit sich tragen. Wie eine Last, die ihnen niemand jemals wieder abnehmen kann. Auch weil es nie eine Antwort geben wird...

Samstag, 14. März 2015

Was wollte ich jetzt nochmal?

Ich bin eine Träumerin. Das war ich schon immer. Ich dafür im Ferienlager sogar mal eine Urkunde bekommen. Unser... wie nennt man sowas... Erzieher... im Ferienlager hat das sehr schön umschrieben: freundlich, verträumt, verpeilt. Ziemlich passend. Und weil ich gedanklich öfter in meiner eigenen Welt lebe (zugegeben früher häufiger, als heute), vergesse ich wirklich viel. Meine Eltern haben irgendwann gesagt, dass mein Gedächtnis stolze 3 Schritte ausreicht. "Wenn du zur Oma hochgehst, fragst du sie mal bitte das und das?" Klar. Bei Oma war ich. Aber sie zu fragen, das hab ich vergessen. Bis ich bei ihr oben war, hatte ich nämlich schon wieder tausend andere Gedanken gedacht und da entfällt das einem natürlich, was man eigentlich fragen soll... 
Während des FSJs habe ich dann angefangen, mir alles aufzuschreiben. Deswegen habe ich immer riesige, dicke Kalender oder fette Notizbücher dabei. Die sind sozusagen mein Gedächtnis und wehe ich würde die mal verlieren! Dann wäre ich wahrscheinlich mehr als aufgeschmissen. Aber damit klappt es mittlerweile ganz gut. Ich kann mir auch mittlerweile eine Sache merken, wenn ich Oma etwas fragen soll. Wenn es mehr ist, oder wenn es noch eine gewisse Zeit hin ist, bis ich sie (oder jemand anderen) etwas fragen kann, dann schreibe ich mir das auf! So! Ich vergesse zwar immer noch ziemlich viel (zum Beispiel neulich den Anruf bei meiner besten Freundin zum Geburtstag - Asche auf mein Haupt!), aber immerhin ist es besser geworden. 
Und nun das! In den Ratgebern und Magazinen wird es "Stilldemenz" genannt. Ich habe eher das Gefühl, dass mein Sohn mir nach und nach das Hirn aussaugt oder alle Informationen, die jemals in mein Gehirn geflossen sind! Ein Beispiel. Ich sitze auf der Couch und lese ein Kapitel zum Thema "Nicht-Besucherforschung" für meine Hausarbeit. Schon beim Lesen denke ich mir: "Was wollen die hier eigentlich von mir?" Ich lege das Buch (leicht verwirrt von den vielen Fachbegriffen, die ich eigentlich kennen müsste - immerhin studiere ich ja jetzt schon 9 Semester) beiseite und Andreas fragt mich: "Und was schreiben sie so?" Und das einzige was ich zustande bringe ist ihn verständnislos anzusehen und mich zu fragen: "Ja... was haben die eigentlich geschrieben..." Aber nicht etwa, weil ich es Müll fand, was da drin stand (Publikumsforschung ist eigentlich ein Thema, was mich sehr interessiert und was im Kulturmanagement noch zu wenig beachtet und professionalisiert ist), sonder schlicht weg, weil ich das Buch zugeklappt und damit auch wieder vergessen hatte, was da stand. 
Gut, nun meint meine liebe Hebamme, dass es daran liegt, dass es wichtigeres gifür meinen Kopf gibt, als eine gute Nicht-Besucherstudie, aber es fängt ja schon bei den simplen Dingen an. Zum Beispiel, wenn man unter der Dusche steht, das Wasser über einen drüber rauscht und man sich ernsthaft (!) fragt, was man hier eigentlich gerade machen wollte. Sind die Haare schon gewaschen? Hab ich schon Duschgel benutzt? Und wie lange stehe ich hier schon?
Oder einem gehen zig Sachen durch den Kopf. Und dann entschließt man sich, alles endlich mal aufzuschreiben und dann sitzt man vor seinem Zettel, hat den Stift in der Hand und .... weiß nix mehr! Und wenn man dann soweit ist, dass man sogar den Zettel und den Stift vergisst, na dann gute Nacht! Da kann ich nur froh sein, dass mein Kopf fest gewachsen ist! Wer weiß, wo der sonst rumliegen würde!