Warum? Diese Frage stellt sich wahrscheinlich gerade ganz Europa...
Als ich vorgestern in den Nachrichten gesehen habe, dass eine Germanwings-Maschine abgestürzt ist, war ich echt schockiert. Letztes Jahr in etwa um diese Zeit bin ich selbst in eine gestiegen und nach Krakau geflogen. Im August von Dresden nach Stuttgart... Mein Liebster ist während unserer Praktika öfter mal zu mir geflogen... Als wir die Bilder gesehen haben, hat er zu mir gesagt: "Stell dir mal vor, du stehst da am Flughafen und wartest. Und dann wird gemeldet, dass das Flugzeug wahrscheinlich abgestürzt ist..." Ich kann mir das nicht vorstellen. Ich will es auch gar nicht. Zu schrecklich ist der Gedanke. Zu weh tut er jetzt schon.
Gestern hat mein Liebster festgestellt, dass jemand an Bord war, den er aus seinem letzten Praktikum kannte. Er hat es bei Facebook gelesen und hielt es aber erst für einen Fake, einen schlechten Scherz. Ich glaube, dass ist bei jedem das erste, was einem in den Kopf kommt. Dass es nicht sein KANN. Dass sich jemand geirrt hat. Dass es nicht sein DARF! Ich glaube, die Gewissheit lähmt dann. Ich weiß nicht, ob man das sofort realisiert... Ich versuche mir vorzustellen, wie es den Eltern von den 16 Schülern ging. Du stehst da am Flughafen und wartest voller Freude auf dein Kind. Auf seine strahlenden Augen, wenn es dir von seinen Erlebnissen in Spanien erzählt. Darauf, dass es dir seine Fotos zeigt. Du bist wahrscheinlich gespannt, wie es sich damit verändert hat...
Oder was ist, wenn ihr vorher Stress hattet? Du und dein Kind. Oder du und dein Mann.
Und dann stehst du am Flughafen und wartest, aber da wird niemand kommen. Niemals! Oder man erfährt am Telefon, dass man niemals die Chance haben wird, sich zu versöhnen. Sich für die harten Worte zu entschuldigen. Man niemals das Leuchten der Erinnerung in den Augen sehen wird. Ich glaub das lähmt. Schockstarre. Ich glaube, dann bekommt man nichts mehr um sich herum mit. Dann ist dein Kopf einfach leer.
Heute kam die Meldung, dass der Copilot den Absturz absichtlich eingeleitet hat. Dass er sich umgebracht hat und 149 Menschen mitgenommen hat. Kein "Trost", dass die Technik versagt hat und die Piloten alles versucht haben, um die Menschen an Bord zu retten. Nein. Er hat nicht versucht sie zu retten. Er hat sie absichtlich mit in den Tod gerissen.
Da quillt Wut in mir hoch. Egoist wäre in diesem Fall fast noch ein Kompliment! Irgendwas in seinem Leben ist schief gelaufen. Ok! Er wollte so nicht weiter machen. Vor mir aus! Aber warum sucht er sich dann keine Hilfe? Warum macht er es, auch wenn das jetzt hart klingt, nicht allein? Warum muss er 149 Menschen mit umbringen? Warum muss er Familien zerstören? Warum muss er Menschen die Menschen nehmen, die sie lieben? Warum muss er so viele Leben kaputt machen? Er hat ja nicht "nur" die 149 Menschen mit in den Tod gerissen, sondern auch noch unzählige weitere Leben auf den Kopf gestellt. Zerstört. Völlig aus den Fugen gerissen. Aber... warum? Niemand wird darauf je eine Antwort bekommen. Weder wir, die die Ereignisse schockiert, entsetzt und traurig mit verfolgen, noch die Angehörigen, die ihre Liebsten verloren haben. Ich glaube, dieses "Warum?" werden sie ihr ganzes Leben mit sich tragen. Wie eine Last, die ihnen niemand jemals wieder abnehmen kann. Auch weil es nie eine Antwort geben wird...