Ich bin eine Träumerin. Das war ich schon immer. Ich dafür im Ferienlager sogar mal eine Urkunde bekommen. Unser... wie nennt man sowas... Erzieher... im Ferienlager hat das sehr schön umschrieben: freundlich, verträumt, verpeilt. Ziemlich passend. Und weil ich gedanklich öfter in meiner eigenen Welt lebe (zugegeben früher häufiger, als heute), vergesse ich wirklich viel. Meine Eltern haben irgendwann gesagt, dass mein Gedächtnis stolze 3 Schritte ausreicht. "Wenn du zur Oma hochgehst, fragst du sie mal bitte das und das?" Klar. Bei Oma war ich. Aber sie zu fragen, das hab ich vergessen. Bis ich bei ihr oben war, hatte ich nämlich schon wieder tausend andere Gedanken gedacht und da entfällt das einem natürlich, was man eigentlich fragen soll...
Während des FSJs habe ich dann angefangen, mir alles aufzuschreiben. Deswegen habe ich immer riesige, dicke Kalender oder fette Notizbücher dabei. Die sind sozusagen mein Gedächtnis und wehe ich würde die mal verlieren! Dann wäre ich wahrscheinlich mehr als aufgeschmissen. Aber damit klappt es mittlerweile ganz gut. Ich kann mir auch mittlerweile eine Sache merken, wenn ich Oma etwas fragen soll. Wenn es mehr ist, oder wenn es noch eine gewisse Zeit hin ist, bis ich sie (oder jemand anderen) etwas fragen kann, dann schreibe ich mir das auf! So! Ich vergesse zwar immer noch ziemlich viel (zum Beispiel neulich den Anruf bei meiner besten Freundin zum Geburtstag - Asche auf mein Haupt!), aber immerhin ist es besser geworden.
Und nun das! In den Ratgebern und Magazinen wird es "Stilldemenz" genannt. Ich habe eher das Gefühl, dass mein Sohn mir nach und nach das Hirn aussaugt oder alle Informationen, die jemals in mein Gehirn geflossen sind! Ein Beispiel. Ich sitze auf der Couch und lese ein Kapitel zum Thema "Nicht-Besucherforschung" für meine Hausarbeit. Schon beim Lesen denke ich mir: "Was wollen die hier eigentlich von mir?" Ich lege das Buch (leicht verwirrt von den vielen Fachbegriffen, die ich eigentlich kennen müsste - immerhin studiere ich ja jetzt schon 9 Semester) beiseite und Andreas fragt mich: "Und was schreiben sie so?" Und das einzige was ich zustande bringe ist ihn verständnislos anzusehen und mich zu fragen: "Ja... was haben die eigentlich geschrieben..." Aber nicht etwa, weil ich es Müll fand, was da drin stand (Publikumsforschung ist eigentlich ein Thema, was mich sehr interessiert und was im Kulturmanagement noch zu wenig beachtet und professionalisiert ist), sonder schlicht weg, weil ich das Buch zugeklappt und damit auch wieder vergessen hatte, was da stand.
Gut, nun meint meine liebe Hebamme, dass es daran liegt, dass es wichtigeres gifür meinen Kopf gibt, als eine gute Nicht-Besucherstudie, aber es fängt ja schon bei den simplen Dingen an. Zum Beispiel, wenn man unter der Dusche steht, das Wasser über einen drüber rauscht und man sich ernsthaft (!) fragt, was man hier eigentlich gerade machen wollte. Sind die Haare schon gewaschen? Hab ich schon Duschgel benutzt? Und wie lange stehe ich hier schon?
Oder einem gehen zig Sachen durch den Kopf. Und dann entschließt man sich, alles endlich mal aufzuschreiben und dann sitzt man vor seinem Zettel, hat den Stift in der Hand und .... weiß nix mehr! Und wenn man dann soweit ist, dass man sogar den Zettel und den Stift vergisst, na dann gute Nacht! Da kann ich nur froh sein, dass mein Kopf fest gewachsen ist! Wer weiß, wo der sonst rumliegen würde!
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