Gleich fährt sie los und nimmt ihn mit. Sie, in der Teddybärjacke und schlechtsitzender Jeans. Die Überführungskennzeichen sind dran und ihr Freund, oder was auch immer, fährt mit seinem Auto und Hänger, auf dem schon ein anderes rotes Auto steht, vorne weg. Jetzt fährt sie. Und sie nimmt meinen geliebten Polo mit! Ok, eigentlich ist es ja gar nicht mein Polo, sondern der von meinem Schatz. (Der steht draußen und schaut traurig hinterher.) Und trotzdem... er hat uns so viel begleitet. Wir sind mit ihm in den Urlaub gefahren, nach Litauen, nach Polen. Es ist uns geklaut worden und drei Tage später wieder aufgetaucht. Wenn ich früh mal wieder zu lange im Bad gebraucht hab, sind wir damit in die Hochschule gerast. Ich bin damit mit 150 km/h (eingetragende Höchstgeschwindigkeit 154km/h) über die Autobahn gebraust, hab BMWs abgehängt, während mein Schatz neben mir seelig geschlummert hat. Es war sein erstes Auto, er hat ihn gepflegt. Einmal im Jahr gab es eine Politur. Er lag selbst drunter und hat die Handbremse repariert, die ich durchgerissen hab. Ich lag auch schon drunter und habe versucht den Auspuff wieder einzuhängen. Ach ja... soviele Erinnerungen. Unser Wackelblümchen hat immer fröhlich seinen Dienst auf dem Amaturenbrett geleistet, wenn wir gefahren sind. Und nun ist er weg. Wird irgendwo in seine Einzelteile zerlegt und verkauft oder verschrottet. Jetzt denkt ihr euch bestimmt "Gott, ist das dämlich, dass sie um dieses Auto trauert!" Ok, denkt das von mir aus. Aber dieser Polo war fast 23 Jahre alt, so wie ich. Er ist auch ein Oktoberkind und hat uns immer zuverlässig überallhin gebracht. (Na gut, bis auf zwei Mal. Das eine Mal ist er nicht angesprungen, weil die Zündspule durchgerostet war, weshalb man mich und meine Oma abschleppen musste. Und beim zweiten Mal ist er 70km vor der deutsch-polnischen Grenze liegen geblieben, weil der Zündfinger einen Haarriss hatte. Da wurden wir auch abgeschlept - diesmal von einem polnischen Abschleppdienst.) Ich denke nur an unseren Nordseeurlaub. Mein Schatz, zwei Freundinnen und ich. Was es bedeutet mit drei Frauen zu reisen, kann man sich, glaub ich, denken. Der Polo war mit vier Personen + Gepäck gnadenlos voll, wenn nicht sogar überladen. Auf der Rückfahrt waren 35°C Hitze, Stau und wir hatten keine Klimaanlage. Und kaum Radioempfang, was uns aber nicht davon abhielt, selbst zu singen und damit die umliegenden Autofahrer zu belustigen. (Vor allem die polnischen LKW-Fahrer)
Leider wird es solche Aktionen mit dem Polo nicht mehr geben. Aber es bleiben die Erinnerungen und vielleicht kommt ja irgendwann ein neuer Polo...
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